Nordkap 2002

Früh morgens am nächsten Tag ging es los. Meine Eltern brachten mich zum Flughafen. Als ich das Ticket , was der Veranstalter mir geschickt hatte , in Händen hielt , freute ich mich , daß ich mit Finnair und nicht mit LTU fliegen würde , was Kettenraucher wie ich verstehen werden , es sei denn sie wissen , wie ich nicht , daß Finnair ebenfalls nur Nichtraucherplätze hat. Dafür saß ich aber am Fenster. Der Flug ging nach Helsinki , wo ich 3 Stunden Aufenthalt auf dem Flugplatz hatte. Eine lange Zeit , vor allem für Raucher , da fast überall Rauchverbot war. Nur in ganz kleinen Räumen war blauer Dunst geduldet und da diese Räume von allen Rauchern auf einen doch recht großen Flughafen genutzt wurden , war es fast unnötig sich selbst eine Kippe anzuzünden , da das Passivrauchen schon jeden Nikotinbedarf gedeckt hat. Selbst ich hielt es darin nicht lange aus. Um mir die Zeit ein wenig zu verkürzen und weil ich Hunger hatte , aß ich ein Sandwich und trank Kaffee dazu. Dann folgte der Anschlußflug nach Rovaniemi – falls sie nicht so genau wissen , wo das liegt , ist das keine Bildungslücke , um die sie sich Sorgen machen müßten – ich kannte es vorher auch nicht. Die Stadt liegt direkt am Polarkreis in Finnland. Und der Anschlußflug war auch mit Finnair , also wieder nichts mit rauchen. Angekommen – nach der jetzt sehr notwendigen Nikotinzufuhr – bin ich zum Schalter von Europcar gegangen , um mir meinen Mietwagen abzuholen. Ein Seat Leon , der von außen recht groß aussah , der Innenraum war aber relativ klein. Dafür hatte er aber ordentlich was unter der Haube – allerdings und das enttäuschte mich sehr – nur ein Tapedeck. Extra hatte ich mir CDs zusammengestellt , die ich im Urlaub hören wollte , während ich die einsamen Straßen Lapplands entlang fahren würde und Kassetten hatte ich sicherheitshalber mal nicht eingepackt. So blieb nur finnisches Radio.

Mein erstes Hotel hatte ich direkt in Rovaniemi und es war recht schnell zu finden , da es sich direkt gegenüber von einem finnischen Mc Drive befand. Das Zimmer war schlicht , aber gemütlich. Ich hatte Halb-Pension gebucht , was nur 199€ extra kostete und sich wirklich gelohnt hat. Man muß wissen , man bekommt dann abends ein Drei-Gänge-Menü , was man sich aber leider nicht selber zusammenstellen darf. So lernt man die lokale Küche kennen. Was an diesem Abend bedeutet , einen Salat als Vorspeise zu bekommen , der eine komische braune Sauce als Dressing hatte. Es schmeckt nicht wirklich schlecht , aber es war ungewöhnlich. Als Hauptgericht Chicken – übrigens kann man sich in Skandinavien grundsätzlich nur Englisch verständigen. Deutsch können die nicht. Also Hühnchen mit Mozarella überbacken mit Kartoffelpüree. Ja , richtig gelesen , Kartoffelpüree , was ich als die deutsche Beilage überhaupt bezeichnen würde. Sehr lecker und zum Nachtisch 3 Kugeln Eis ... das war viel zu viel. Getrunken hab dazu eine Cola und dann ein Pils , was mich 7€ gekostet hat. Nach dem Essen hab ich noch einen kurzen Spaziergang durch die Stadt gemacht , die an einem Fluß liegt , an dessen Ufer ich mich gesetzt hab. Und erst da viel es mir so richtig auf : Es ist so ruhig hier. Richtige Stille , wenn man mal von ein paar Joggern absieht. Es war Natur und Stille , genau das , was ich gesucht hatte. Zu diesem Zeitpunkt wußte ich noch nicht so genau , warum ich das suchte , aber es war so.


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Das Frühstück – schlechte Erfahrungen in südlichen Ländern – war ganz gut. Danach hab den Weihnachtsmann in seiner Werkstatt besucht , denn der ist Lappe/Same , was man auch an seinen Rentieren vor seinem Schlitten sieht. Für Kinder , die noch überzeugt davon sind , daß ihn gibt , hat er einen Service eingerichtet. Sie können sich einen Brief von ihm schicken zu lassen und zwar so , daß er genau zu Weihnachten ankommt. Dafür müssen allerdings vorher Erwachsene in seine Werkstatt kommen , die Adresse der Kinder angeben und 6€ pro Kind abdrücken. Ja , umsonst arbeitet selbst Santa Claus nicht. Ich gab die Adresse von meinem Neffen an , der gerade in die Schule gekommen ist und sich nun ernsthaft fragt , ob es den Weihnachtsmann wirklich gibt oder nicht

Diese Werkstatt liegt direkt am Polarkreis , für dessen Überschreitung man sich ein Zertifikat ausstellen lassen kann , was ich getan habe. Und wieder kam da das Gefühl , wo ich nicht schon überall gewesen bin. Das war wieder Stolz gepaart mit Dankbarkeit. Allerdings war es mit 5 ° C doch recht kalt.

Mittags bin ich einem Schild zu Fuß gefolgt , was auf einen Aussichtspunkt hinwies. Man konnte dort von einer Klippe ein Flußtal einsehen , was auch gleich mal fotografiert habe. An diesem Punkt war auch eine große Holzhütte , die rund war und wohl von der örtlichen Jugend zu Saufgelagen genutzt wird. Mich erinnerte das spontan an unseren heimischen Trimm-Dich-Wald , wo eine viel kleinere Hütte steht , unter der aber in meinen wilden Jahren nicht weniger Alkohol geflossen ist. Das war damals eine unheimlich gute Zeit.


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Die Fahrt setzt sich durch eine herrliche Flußlandschaft fort , in der ich fast alleine unterwegs war. Nur ganz vereinzelt mal ein anderes Auto. Das Ziel des heutigen Tages war Ivalo und mein Hotelzimmer hatte Blickrichtung zum Fluß. Ich hab mich am Fluß auf einen Baumstamm gesetzt und die Lachse – oder was auch immer das für Fische waren – beobachtet , wie sie zur Wasseroberfläche kamen. Und es war so ruhig und friedlich , die Sonne war herausgekommen , wodurch es allerdings nicht wirklich warm wurde. Über eine Stunde hab ich dort gesessen und ich hab nicht mal dabei geraucht , weil die Luft so klar war , so rein. Ich hab mich gewundert , daß ich keinen Sauerstoffflash gekriegt habe. Zu essen gab es abends , Champigion (diese Pilze halt , wie auch immer man das schreibt) als Vorspeise und dann Räucherlachs mit Kartoffeln und Salat. Das ganze war als Buffet aufgezogen. Und das war soviel , daß ich auf ein Dessert verzichtet habe. Dazu getrunken hab ich einen Weißwein , der mit Wasser serviert wird – einem Liter oder so. Sehr lecker.

Nach wiederum guten Frühstück ging es zu einer Bärenhöhle , die an sich eine ziemliche Enttäuschung war , weil die am Berg lag und man eine nicht endenwollende Treppe hochsteigen mußte , was meinen Beinen überhaupt nicht gefiel. In dem Ort Inari gibt es ein Museum , in dem eine Multimediashow über die Ureinwohner Lapplands – was eben nicht die Lappen , sondern die Samen sind – gezeigt wird. Wobei man meinen könnte , daß es ja auch einen inhaltlichen Zusammenhang zwischen Lappen und Samen gäbe. „Erst käme der Samen und dann der Lappen , um ihn wegzuwischen“ , aber ist nur ein Kahlhauer am Rande. Die Ausstellung war aber wirklich sehr gut gemacht. Mit riesigen Diaprojektionen der Natur Lapplands über die gesamten 12 Monate des Jahres und Erklärungen dazu. Töne wurde eingespielt und auch was über Kaamos erzählt. So heißt Polarnacht auf Finnisch oder Samisch , so genau konnte ich das nicht herausfinden.

In Finnland ist die Natur schon ein bißchen weiter als in unseren Breitengraden und somit war hier schon Herbst. Man muß sich jetzt vorstellen , daß es in diesem Land nichts weiter als Straße und Bäume gibt , die in allen Farben des Herbst im Sonnenlichtes erstrahlten. Ich vermutete , daß man mir LSD in den Kaffee gekippt hatte. „ Ich sehe Farben !“Der finnische Ausdruck für dieses einmalige Naturschauspiel heißt „Ruska“. Gelb , Grün , Rot und Braun und jedes einzelne Blatt in einer anderen Schattierung. Farben ! Einfach nur bunt.


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Dann überfuhr ich die Grenze nach Norwegen , wobei mir früher gar nicht bewußt war , das Finnland und Norwegen eine gemeinsame Grenze haben , ich dachte immer , da liegt Schweden zwischen. Aber es war so. Norwegen ist an sich mehr gebirgig und dadurch wirkte die Umgebung noch beeindruckender. In normalen Länder ist es so , daß es hier und da mal einen Aussichtspunkt gibt , wo man schöne Landschaft fotografieren kann. In dieser Region der Welt ist es so , überall – egal wo man hin schaut – es ist schön und beeindruckend. Und dann erreichte ich das Meer , einen Fjord. Links Berge , rechts Meer und irgendwie dazwischen die Straße.


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Mein Ziel war das Nordkap , das auf einer Insel liegt und nur durch einen Tunnel zu erreichen ist. Wobei wir bei einer generell Beobachtung über norwegischen Straßenbau wären – sie können einfach nicht gerade bauen. Der Tunnel muß eine Kurve oder wenigstens Steigung bzw. Gefälle haben , am besten aber alles 3 , so wie dieser. Als ich wieder raus kam , Nebel , so daß ich fast die Hand nicht vor Augen sehen konnte. In der Hoffnung , daß es nur noch besser werden kann , setzte ich meinen Weg trotzdem zum Nordkap fort. Schemenhaft konnte ich später das Kassenhäuschen sehen und steuerte darauf zu. Aber es war keiner drin. Haben die das Nordkap dicht gemacht ? Ich bin mutig durch die offene Schranke gefahren – ohne zu bezahlen und auf einen Parkplatz , wo bis auf einen Wohnwagen kein anderes Gefährt stand. Ratlosigkeit. Leute kommen auf den Parkplatz , die mich ansprachen – mein Wagen hatte ja finnisches Kennzeichen und die waren überrascht , als ich auf Englisch antwortete , daß ich sie nicht verstand. Ich fragte die Fremden : „Is it closed ?“ „ No , its open.“ und kaum das ich das gesagt hatte , verzog sich die Wolke und ich sah , daß ich vor dem Eingang des Nordkaps stand.


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Man kann sagen , das Nordkap ist der Point de Pen Hir in Groß. Sehr gigantisch und sau kalt , so daß mich nach den Fotos erst mal etwas aufwärmen mußte und einen Kaffee mit Sandwich bestellte. 10€. Die spinnen , die Norweger. Dann hab ich Postkarten gekauft und sie zu meinen Eltern geschickt. Von dort aus , damit sie den originalen Nordkapstempel kriegen , auch wenn sie drauf wenig wert legen. Postkarten und Briefmarken haben mich nochmal 8€ gekostet.

Das Hotel , wobei man schon fortgeschrittener sein muß , um es zu finden , lag direkt am Hafen des nördlichsten Ortes Europas : Honningsvag. Von meinen Fenster konnte ich das Meer sehen. Zum Essen gab es Kremsuppe – die sind doch etwas merkwürdig diese Skandinavier , das hielt ich auch für eine deutsche Erfindung – dann sehr leckeren gegrillten Fisch mit Kartoffeln und gedünsteten Gemüse , anschließend Eiscream. Die Bedienung war eine sehr hübsche . Am Nachbartisch saßen Amis und wie Amis eben so sind , benahmen die sich ziemlich großkotzig. Bevor die Suppe kam , gab es natürlich Brot mit Butter – das ist hier so üblich. Dabei hatte ich mir mein Messer schmutzig gemacht und fragte die Bedienung ganz höflich nach einem neuen. „ Yes , certainly“ meinte sie , ging zum Nachbartisch , der leer war , nahm da ein Messer weg , kam wieder und gab es mir. Ich : „ Thank You !“„ Oh , no Problem. You are welcome !“ wobei sie das You so betonte , daß ich mitbekam , daß YOU im Gegensatz zu den Amis gemeint war. Und sie sah wirklich süß aus.

(das das eine übliche Foskel ist , war mir nicht bekannt )

Die Landschaft in diesem Teil der Welt ist wirklich beeindruckend. Nach erneuten Durchfahren des Tunnels , wobei man sich als Mitteleuropär mal vorstellen muß , in einer Röhre mit ca 9% Gefälle mit später eben solcher Steigung zu fahren , mußte ich tanken. Nun hatte ich einen Mietwagen und da drängt sich die aus der Werbung von Audi bekannte Frage auf : Wo ist der Tank ?. Das war noch recht einfach zu beantworten , schwieriger war die : Und wie kriegt man ihn auf ? Neben der Handbremse in Innenraum des Wagens war ein Kopf mit einem Tanksymbol und den drückte ich einfach mal. Nichts tat sich. Ich bin ausgestiegen , um den Tankdeckel per Hand aufzukriegen. Keine Chance. Ich wieder ins Auto , Zündung angemacht , nochmal den Kopf gedrückt , nichts tat sich. Ein Blick ins Handschuhfach ergab , daß es eine Bedienungsanleitung für das Auto gibt , aber auf finnisch , wie ein zweiter Blick ergab. Sollte meine Reise enden , weil ich unfähig war , zu tanken ? Nein , denn wenn man die Zündung ausschaltet und dabei die Tür schließt – in einer AND-Verknüpfung , wie der Programmierer sagt – dann funktioniert der Knopf und der Tankdeckel springt auf – was mich aber mindestens eine Viertel Stunde gekostet hat , um es per Zufall herauszubekommen.

Nachdem ich die Tankstelle hinter mir gelassen hatte , veränderte sich die Landschaft und es wurde brauner , wie man es bei uns aus Hochgebirgsgegenden kennt. Es ist erstaunlich , wie schnell die Umgebung hier ihren Charakter ändert.


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In der Einsamkeit dieser Starße hörte ich norwegisches Radio , wobei die Skandinavier wohl sprechenden Menschen aus diesem Gerät brauchen , um die Leere an natürlichen Menschen zu kompensieren. Die laberten und laberten und spielten keine Musik – und das ganze natürlich auf norwegisch , so daß ich kein Wort verstand. Mittags gönnte ich mir Fish & Chips in einer Grillstube am Rande der Stadt Alta , was sehr lecker war. Auch dort veränderte sich wieder die Landschaft , weil nun wieder Meer in der Nähe war. Auch ein Museum haben die dort , wo es die gleichen Felszeichnung wie in Schweden beim Trip 2000 zu sehen gab , wobei der Eintritt in Schweden glaub ich frei war und hier 70 NKR – also 10 € - verlangt wurden. Das ganze war nicht wirklich spektakulär.

Die Straße wurde nach Alta schmaler und praktisch war eine Kurve an die nächste direkt angebaut , da man der Küstenlinie folgen mußte. Das würde an sich nichts machen , nur wenn man das Problem hat , daß vor meinem ein Wohnmobil fährt , was dieses deutlich zu langsam tut und es völlig unmöglich ist zu überholen , dann kann man schon mal leicht die Krise kriegen – vor allem wenn man bis zum Abend ein bestimmtes Hotel erreichen muß. Es ist nicht ganz leicht ein Hotel in einer fremden Stadt zu finden , es sei denn , man hat Glück und es ist ausgeschildert , so wie dieses , das Norlandia Hotel in Storslett. Vor dem Hotel standen allerdings keine Autos , was schon mal komisch war. Ich aber frohen Mutes steig aus meinen Auto aus und gehe zur Eingangstür ... .verschlossen und dahinter Gerümpel. Also dieses Hotel ist entweder aufgegeben worden , oder wird umgebaut. Nun stand ich da in der Wildnis , keinen Ansprechpartner der Reiseleitung und das Hotel nicht zu beziehen und da war es schon fast 20.00 Uhr , da mich der Wohnwagen so lange aufhielt. In meiner Not bin ich gegenüber in eine Taxizentrale gegangen und hab ich dort nach einem anderen Hotel erkundigt. Das einzige war etwa 5 KM weiter – direkt an einem Fjord gelegen. Zum Glück hatten die noch ein Zimmer frei – für mich vorgebucht war nichts ... da war sozusagend die erste Panne.

Nun lernte ich , daß die Hotelzimmer normalerweise nach Raucher und nicht Raucher verteilt werden , wobei die Raucher die schlechteren kriegen – und dieses Zimmer war sehr schlecht.

Zu essen gab es als Vorspeise endlich mal wieder Kremsuppe – wie originell – und als Hauptgang : Rentier (es kann auch Elch gewesen sein ) und es schmeckte mir nicht. Auf den Nachtisch hab ich verzichtet , hab mir aber noch einen Kaffee gegönnt , den ich nicht bezahlen mußte. Wenigstens die Lage des Hotels war sehr schön und so saß ich abends noch an einem kleinen Hafen direkt am Fjord , beobachtete das Wasser und wieder fiel mir diese Ruhe auf , die hier herrschte.


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Es ist heute der 11. September und neben unverständlichen norwegischen Gesülze vernahm ich immer mal wieder : Bush , Irak und Saddam , und manchmal auch Al Kaida , aus dem Radio. Schon zu Hause wußte ich , daß dieser Tag ein besonderer sein würde , da ich heute eine Strecke von 630 KM zu bewältigen hatte. Aber da dachte ich noch , ich hätte es mit ausgebauten Schnellstraßen zu tun , was definitiv nicht der Fall war. Dieses Bauprinzip Kurve an Kurve immer an der Küstenlinie längst , setzte sich auch an diesem Tag fort ... und man fährt und fährt ... meint eigentlich schon einen großen Teil der Strecke absolviert zu haben ... dann kommt ein Ortsschild und man stellt mit Entsetzen auf der Landkarte fest , man hat sich eigentlich kaum von der Stelle bewegt. Dieser Tag war dem aggressiven Kilometerfressen gewidmet. Um 14.00 erreichte ich die Stelle , wo ich Abbiegen mußte – ich war morgens so gegen 8.30 aufgebrochen. Ich hatte keine Ahnung , wie weit ich gefahren war , aber laut Karte mußte das ungefähr die Hälfte der Strecke gewesen sein. Das Tagesziel hieß Andenes, von dem ich annahm , es läge auf den Lofoten. Ich hatte rund 300 Kilometer abgerissen bis hierhin. Und dann kam ein Schild auf dem stand A (mit einem Kringel oben drauf) a.d. Lofoten 370 KM. Das wären noch gute weitere 5 Stunden kampffahren gewesen - ich kann nicht mehr. Die Wegbeschreibung im Reiseführer war dann etwas mißverständlich , so daß ich mir noch einen Umweg von 60 KM über Harstad einhandelte. Landschaftlich war es grüner geworden und es war ja auch sehr schön , aber ich kann nicht mehr , ich will endlich ins Hotel.


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Dann kam ein Schild , wo drauf stand , daß A a. d. Lofoten links ab ging , aber Andenes geradeaus – es war also eine andere Stadt – und bis Andenes waren es nur noch 100 KM. Nun muß man wissen , daß am nächsten Tag eine Schiffsreise von Harstad aus beginnen sollte und das Schiff – mit mir oder ohne mich – um 8.30 ablegen würde und ich die Strecke von Harstad nach Andenes in umgekehrter Richtung morgen vor Ablegen zurücklegen mußte. In meinen Reiseführer waren dafür 3 Stunden angegeben , was heißt , morgen um 4 Uhr aufstehen. So blickte ich häufiger an diesem Tag auf die Uhr , wie lange ich wirklich brauchen würde und ob das Prospekt log. Es stimmte ganz knapp. Gegen 21.00 Uhr erreichte ich mein Hotel.

Blick aus Hotelzimmer


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Zu Essen gab es ein mexikanisches Buffet , mit Fleisch , daß sehr scharf gewürzt war , dazu Taccos , Salat und Reis und zum Nachtisch rote Götterspeise (ich kotz gleich ´nen dicken Strahl). Dazu ein Bier und anschließend Kaffee. Am diesem Tag war ich so platt , daß ich mich sofort ins Bett begab.

Aufstehen um 4 Uhr morgens – und das Mitten im Urlaub , aber immerhin bekam ich zu so unchristlicher Zeit schon ein Frühstück vom Hotel , so daß ich wenigstens nicht mit leeren Magen auf die Reise gehen mußte. Es folgten 3 Stunden intensives Kampffahren – was bedeutet ohne Pause und immer mit der maximal möglichen Geschwindigkeit – um mein Ziel Harstad um 8.30 zu erreichen. Auch wenn es nicht ganz einfach war , ich hab das hingekriegt. Nur stand ich dann im Hafen – sah sogar das Schiff – und ich hatte nicht den Hauch einer Ahnung wie ich – und vor allem mein Auto – auf dieses Hurtigrutenschiff gelangen sollten. Kein Hinweisschild und nicht mal andere wartende Autos. Nachdem ich dreimal um ein Gebäude gefahren war , hielt ich einfach an , ging zu Fuß aufs Schiff und fragte mich durch , was funktionierte ... aber es war schon zeitlich sehr knapp. Ich war aber innerlich wirklich zu müde , um mir ernsthafte Gedanken zu machen , aber auch an dieser Stelle hätte die Reise enden können. Mein Wagen wurde als ganz normale Fracht behandelt und nicht wie auf einer Fähre und den Schlüssel mußte ich dem Mitgleid der Crew geben – weil sie das Auto häufiger umparken müssen. Das Wetter war richtig schlecht. Nieselregen und Nebel , so daß ich von dem Fjord , keine Fotos machen konnte und zu allem Überfluß hatte ich meine Jacke noch im Auto vergessen und es war kalt.

So gegen 10.00 bekam ich wieder Hunger. Das Schiff besteht aus 7 Decks , wobei das oberste das Raucherdeck war , wo ich mich aufhielt. Am Bug dieses Decks war ein Restaurant , wo es auch Frühstück gab. Ich also dahin und suche schon nach einem geeigneten Platz , als mich der Kellner anspricht : „ Do you have a ticket for breakfast ?“ „ Nö.“ „Then you have to buy it.“ „ How much ?“ „ 105 NKR.“ Schluck , man muß , um norwegische Kronen in Euros umzurechenen , durch 7 teilen , was also 15 € und damit 30 DM für ein Frühstück macht. Aber ich hatte Hunger und ich denk noch , die spinnen , die Norweger.

Gegen Mittag besserte sich das Wetter. Die Wolken rissen auf und man konnte die Berge am Wasser sehen – und Fotos machen.


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So um 2 hatte ich wieder Hunger und – aus Schaden wird man klug – ich ging nicht mehr auf 7. Deck ins Restaurant , sondern zum Schnellimbiß auf Deck 3 , denn das 7. Deck war für die Kreuzfahrer und die reicheren Gäste an Bord. Ich aß Lovsteak , wobei ich nicht so genau weiß , was das eigentlich ist. Es war Fleisch und schmeckte gut. Es kostet allerdings auch 120 Kr. Wieder im 7. , denn nur dort durfte man rauchen , setzte ich mich an Fenster und beobachtete die sehr beeindruckende Fjord-Landschaft. Auch interessante Menschen kamen , denn ich saß in unmittelbarer Nähe zur Bar. Dahin kamen 4 ältere Damen (70 – 80 Jahre alt) , die englisch sprachen , sich einen Kaffee mit Whiskey , einen Manhatten und irgendetwas mit Gin bestellten und sich genüßlich die Kante gaben und sehr ausgiebig mit dem Barkeeper sprachen , wie man bestimmte Cocktails am besten herstellt. Diese Damen erinnerten mich an die kürzlich verstorbene Queen-Mum.


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Der Kaptain machte eine Ansage , daß wir – da sich das Wetter gebessert habe – in den Troll-Fjord fahren würden und das war ein Schauspiel , was man mit Worten nicht so richtig wiedergeben kann. Also so ein Fjord zeichnet sich ja dadurch aus , daß direkt am Meer , die Berge in den Himmel ragen und dieser Troll-Fjord ist nur etwa 100 Meter breit und an beiden Seiten sind die Berge und unser Schiff fuhr wie gesagt da hinein , so daß man die Bergwände mit den Händen fast berühren konnte. Es ist ein unglaubliche Sache , so nah an dieser Natur zu sein – außerdem waren da Wasserfälle. Berge , Wasser und das Schiff. Und ein deutliches Gefühl von Dankbarkeit , die Schönheit sehen zu dürfen ... das war den Pyramiden in Ägypten ebenbürtig , mehr kann man mit Worten nicht beschreiben.


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Auf den Lofoten angekommen , fuhr ich zu meinem Hotel , was sehr klein war und nicht direkt am Meer lag , aber nur wenige 100 Meter davon entfernt. Es war sehr gemütlich , nur war auch eine Glatze Gast , der mir sofort mit seiner Art unsympathisch war , dafür war die Bedienung aber sehr freundlich (und hübsch , nicht zu vergessen). Zu Essen gab es Schinken mit Salat und Zwiebeln. Als Hauptgericht Fischlasagne (nicht so mein Fall) mit Reis und Salat und auf den Nachtisch hab ich verzichtet. Dazu hab ich Wein getrunken. Immer noch völlig fasziniert von der Landschaft – besonders dem Troll-Fjord – bin ich auf mein Zimmer gegangen und hab Musik gehört –und bin eingeschlafen , da ich ja auch früh aufgestanden war.


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„ Und am 7. Tage sollst du ruhen !“. An diesem Tag mußte ich nicht zu einem anderen Hotel aufbrechen , ich hatte 2 Nächte auf den Lofoten. Ich hab mich ausgeruht , was auch bitter nötig war und bei Musik entspannt. Mittags bin ich kurz zum Hafen gegangen , um mir eine norwegische Pizza zu essen , die aber nicht besonders schmeckte und was zu trinken zu besorgen. Solo , sowas ähnliches wie Fanta. Ein Foto von einer Möve hab ich noch geschossen , die ähnlich freundschaftlich war wie die Möve von Oslo. Ich sagte mir immer mal wieder , daß ich eigentlich irgendetwas unternehmen müßte und nicht sinnlos den Tag einfach an mir vorbeiziehen lasse – schließlich war der Urlaub sehr teuer – aber ich tat es nicht. Ruhe war das , was diesen Tag ausmachte und ein leckeres Abendessen , wenn auch wieder eine Kremsuppe zur Vorspeise bekam. Das Hauptgericht bestand aus Chicken mit Curry-Sauce , Gemüse und Pommes und auf den Nachtisch verzichtet ich auch dieses Mal , doch das Bier mußte ich trotzdem bezahlen.

Zum Frühstück war wie in allen Hotels ein Buffet aufgebaut , aber sehr ungewöhnlich war hier , daß es Räucherlachs (seit Frankreich) gab , den ich sehr gerne esse. Um 8.45 ging meine Fähre zurück zum Festland nach Skutvik , die ich gerade noch so kriegte , da ich verschlafen hatte. Die Strecke führte mich entlang der Europastraße 6 – wieder mit einer Fähre – nach Narvik. Eigentlich hatte ich schon auf den Lofoten tanken wollen , aber wegen der knappen Zeit hab ich das gelassen. Nun war am Ortseingang von Narvik eine Shell-Tankstelle , aber ich dachte mir , daß im Orte selber wohl auch noch Tankstellen seien und dort würde ich Benzin aufnehmen. Aber – und deshalb erwähne ich das – in Narvik gab es keine weitere , der Tank war da halb leer. Kurz nach Narvik mußte ich auf die Europastraße 10 abbiegen , ins Gebirge Richtung Schweden. Gegen diese Gegend , einem Naturschutzgebiet , war der Rest von Norwegen ein Ballungszentrum. Einsamkeit wurde hier für mich völlig neu definiert. Aber die Natur – ein Traum – wenn auch wieder ganz anders als an den Küsten. Kleine Seen in einer trocknen , braunen Hochgebirgslandschaft säumten den Weg. Auch die Überschreitung der Grenze nach Schweden änderten an der Landschaft nichts – auch nichts daran , daß ich in der Mitte von nichts immer noch mit einem nun nicht mehr ganz halbvollen Tank unterwegs war. Hier gab es aber nichts – und Tankstellen schon gar nicht.


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Dann ein Schild , ein Rastplatz mit einem Benzinsymbol in 40 KM. Voller Optimismus dachte ich mir , das packe ich. Immer ein Blick auf die Tankanzeige in meinem Auto gerichtet und das andere auf die herrliche Landschaft fuhr ich und schaffte es locker.

Mein Zielort war Kiruna , eine Stadt des Eisenerzes , die in etwa den Charme von Castrop Rauxel hat. Über Baustellenstraßen quer durch eine Plattenbausiedlung bin ich dann zum Hotel selber gekommen , was ähnlich romantisch wie die Werkskantine von Krupp-Hoesch war. Glasfassade am Eingang und wie in einem Krankenhaus – oder einer Firma – die Anmeldung hinter Glas. Das Zimmer war recht klein , aber dafür ließ sich auch das Fenster nicht öffnen. Der Ausblick war auf einen See , was eigentlich sehr schön war , wenn nicht davor ein Plattenbau gestanden hätte und im Hintergrund der Tagebau des Eisenerzes gewesen wäre. Also eine Stadt wie ein Traum – vom Ruhrgebiet.


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Nun zum Essen im Restaurant , der Werkskantine. Zum Auftakt gab es Gänseleberpastete – nicht so mein Fall , aber mit Brot konnte man es essen – und das als Hauptgericht Räucherlachsfilet mit Reis und Salat in einer herrlich schmeckenden Sauce. Der Nachtisch war Eis. Das alles war schon ganz gut , aber der Weißwein – ich habe noch nie etwas besseres getrunken – wenn man mal von dem 1973ziger absieht , den ich mal zum Geburtstag bekam – richtig lecker.

Zum Auschecken ging ich am Morgen zu jenem Glaskasten , in der sich die Rezeption verbarg. Die Frau war sehr freundlich und bestand drauf , daß der Wein von gestern bereits in den vorgebuchten Leistungen enthalten sei und ich brauchte ihn nicht extra zu bezahlen. Das war übrigens ein 8ter Tag. Die Straße von Kiruna hin zu meinen Zielort Kemi war gestaltet wie eine Autobahn. Gerade , kaum Kurven und eine sehr monotone Landschaft , die aus gelben Birken und grünen Kiefern bestand.Ich wollte Fotos machen , ging aber nicht , weil es schlicht nichts zu knipsen gab. Was für ein Unterschied zu der herrlichen norwegischen Umgebung mit den Fjorden. Überhaupt muß ich sagen , daß nach den Lofoten – nach jener Schiffsreise – die Luft irgendwie raus war. Ich hatte gesehen , was ich sehen wollte und somit hatte für mich eigentlich schon der Heimweg begonnen. Kurz hinter Kiruna zeigt mein Thermometer im Auto den Kälterekord der Rundfahrt : 3,5°C. Unterwegs hab ich dann noch ein kulinarisches Experiment mitgemacht. Es gab in einer Raststätte ein Viertel Fladenbrot , auf das von außen (!!!) Remoulade mit kleinen Frikadellen war. Das war zwar eine ziemlich Sauerei – und man sollte den Schweden vielleicht mal erklären , daß man ein Fladenbrot aufschneidet und dann was rein tut – aber es war sehr lecker. Das Ziel war wie gesagt Kemi in Finnland. Das ist eine Industriestadt direkt am Meer – der Ostsee. An der Uferpromenade bin ich spazierengegangen. Die Sauna , die es auch im Hotel gab , hab ich nicht genutzt , obwohl ich mir das überlegt hatte. Zu Essen gab es abends einen Salat mit Erdnuß-Dressing (gewöhnungsbedürftig aber lecker ) , dann Schnitzel mit Käse überbacken und Pommes. Das war nicht grundsätzlich schlecht , aber es war halt was anderes vom Niveau her wie Räucherlachs. Pommerbudenniveau eben. Dazu hab ich dann auch kein Wein , sondern ein Pils getrunken. Etwas verärgert über das mittelmäßige Essen ging ich zurück aufs Zimmer.

Der Zielort dieses Tages war Rovaniemi , die Stadt aus der ich die Rundreise gestartet hatte und von der aus ich wieder in Heimat zurückfliegen sollte. Schon auf der Fahrt nach Rovaniemi hin hatte ich leichte Zahnschmerzen , die mit zunehmender Dauer unangenehmer wurden. Wie erwähnt hat Rovaniemi ein McDrive , wo ich endlich mal wieder das hohe Niveau der amerikanischen Küche genießen konnte. Während ich im Restaurant drin war , dachte sich ein finnischer Polizist , daß er mir einen Strafzettel verpassen müßte. Aus zeitlichen Gründen war es mir am 1. Tag der Reise unmöglich , die Hauptattraktion des Ortes – das Artikum – zu besichtigen. Eine Art Gallerie. Und das wollte ich nun nachholen , denn ich hatte noch viel Zeit. Am Museum angekommen , wies ein nettes Schild darauf hin , daß es Montags geschlossen war (Der Running Gag aus Spanien war wieder da) , denn es war Montag.

Im Hotel selber hab ich mir dann erstmals Schmerztabletten gegen die Zahlschmerzen genommen – half aber nichts. Dann ich bin zur Rezeption – wo ich eigentlich einen Artztermin buchen wollte , aber als die Dame dort fragte , ob ich Tabletten wollten , entschied ich mich dazu und sie schickte mich zu einer Apotekki im Stadtzentrum , circa 100 m. Dort kaufte ich stärkere Tabletten – was aber auch nichts nützte. So daß ich wieder zur Rezeption bin , um mir diesmal wirklich einen Zahnartztermin zu besorgen. Der meinte , daß eine Blombe nicht ganz fest sitzen würde , bohrte diese raus , tat eine neue rein und verlangte 81 € cash. Mein Mund war danach durch die Spritzen 4 Stunden lang taub und ich wollte ja auch langsam was zu Abend essen. Erst um 22.00 war der Mund wieder soweit zu benutzen , daß ich essen konnte ---die Schmerzen waren allerdings auch noch da. Scheiß was drauf , morgen flieg ich nach Hause und da gehe ich zu einem deutschen Zahnarzt. Das Essen war zwar sehr lecker – grüner Salat als Vorspeise , Grilled Chicken mit Pommes und leckerer Sauce , die McRip nicht unähnlich ist , und dann Bananeneis mit Früchten als Nachtisch – doch die latent vorhandenen Zahnschmerzen ließen mich das nicht so richtig genießen.

Im Bett liegend sagte ich zu mir : „ Ich will Heim !“

Morgens wache ich immer noch mit Zahnschmerzen auf , aber heute war ja Heimflug und dann endlich vernünftige Medizin in Deutschland. Gegen Mittag also zum Flughafen , wo ich so wie vereinbart den Mietwagen abgebe – allerdings ohne vollzutanken. Dann zum Check-In an den Flugschalter. Das Gepäck auf das Förderband gestellt , das Ticket abgegeben und dann hackte der Mann am Schalter in seinen Computer : „ You know ,“ meinte er dann ,“ you have a ticket for tomorrow.“ „ What ?“ „ Look here“ und er deutete auf das Datum , „18th , tomorrow.“ Nach einem langen hin und her wurde klar , das Ticket war nicht umzubuchen , da der Flug heute vollkommen ausgebucht war. Ich konnte erst am nächsten Tag fliegen

Da stand ich nun , alleine auf einem fremden Flughafen. Kein Auto mehr , da ich meinen Mietwagen bereits bei Europcar abgegeben hatte und natürlich war kein Mensch , sondern nur Breifkasten Abgabepunkt des Schlüssel. Da kam ich nicht mehr ran. Dann ich auch kein Hotel mehr , denn eine weitere Übernachtung war in der Reiseplanung nicht drin. Dazu ziemliche Zahnschmerzen und nicht den Hauch einer Ahnung , was ich nun machen sollte. Zunächst mal eine rauchen – tut das gut - und danach nochmals versucht , die Fluggesellschaft umzustimmen , mir doch noch einen Platz für heute zu geben ... zwecklos ... und mein verdammter Zahn schmerzt. Ich sag ja , fahren Sie niemals in einem 2er Monat in Urlaub.

Dann hab ich mir ein Taksi genommen und bin zurück in die Stadt – zu dem Hotel , wo ich zuletzt nächtigte. Zum Glück hatten die noch ein Zimmer. Und zwar ein 5er Zimmer. Mittags hab ich – immer vorsichtig an dem kaputten Zahn vorbei – Grilled Pork gegessen , was ich selbst bezahlen mußte ... nach den nicht eingeplanten – und sinnlosen 81 € für die Zahnbehandlung , näherte sich meine Finanzreserve bedenklich dem Nullpunkt. Auf dem Zimmer hab ich erstmal 3 Stunden gepennt – ich war platt. Doch dann überlegte ich , daß wenn ich schon einen Tag länger bleiben müssen , dann sollte ich diesen auch genießen und gleichzeitig ich hatte eigentlich ziemlich den Kaffee auf ... ich wollte nur noch heim ... doch irgendwie hab ich dann doch aufgerafft und bin wie am ersten Tag des Urlaubs zum Fluß gegangen , hab mich dahin gesetzt , eine geraucht und meinen Frieden – der zwischendurch , besonders am Flughafen , sehr gefährdet war – mit Finnland gemacht und mich verabschiedet und als es dann noch die Sonne raus kam , ging es mir schon fast wieder gut.

Abends aß ich Räucherlachs mit Püree und Spargel und trank dazu einen Weißwein , was mir mein Zahn übel nahm. Alkohol möchte der nicht und tat ziemlich weh. Der Tag ging , doch die Zahnschmerzen bleiben – sie blieben nicht nur , sie wurden schlimmer. Erst war es ein Stechen , dann ein Pochen und ein Gefühl , als würde der Zahn direkt auseinander springen. Aber wenn man ein bißchen Wasser trank , für den Moment , wo Wasser ihn umschloß , ging der Schmerz , um danach umso härter wiederzukommen. Die starken Schmerztabletten aus der Apotekki – wovon man 4 am Tag nehmen darf und ich schon 6 auf hatte – halfen nicht. Gegen 2.00 hielt ich es nicht mehr aus , bin zur Rezeption , um nach einem Emergency-Dentist zu fragen , aber es gab in dem finnischen Netz keinen. Also wieder auf Zimmer , Wasser trinken und den Mund nicht trocken werden lassen ... aber vielleicht kann ich ja einfach einschlafen ... aber wenn das Wasser ausbleibt , sind die Schmerzen unerträglich ... und die Scheiß Tabletten wirken nicht ... absolut nicht..und ich bin müde ... aber es tut so weh ... gegen 2.40 wieder zur Rezeption , Taski gerufen , was mich zu einem normalen Notarzt fahren sollte. Er brachte mich zu einem Krankenhaus in die Notaufnahme : „ We have no Dentist.“ , sagte die Ärztin. Sie gab mir dann ein paar Painkillers und schickte mich mit besten Genesungswünschen wieder weg. Wieder im Hotel – wie ich die Fahrt überlebt habe , weiß ich nicht – stellte ich fest , daß ich dieselben Tabletten wie in der Apotekki bekommen hatten , allerdings mit dem Hinweis , man dürfe 8 am Tag nehmen. Dann durfte ich noch zwei ... rein damit ... Schmerzen , Wasser trinken , bis die Tabletten wirken ... immer nur schön trinken ... Wasser ist alle ... Leitungswasser in die Flasche ... trinken , immer trinken ... Tabletten wirken nicht ... verdammt nochmal ... das Zeug wirkt einfach nicht ... .Ich könnte schreien ... trinken , kühlen ... 4.00 , wieder zur Rezeption ... nochmal Taksi ... nochmal zum Krankenhaus ... .. „ Sorry , we have a dentist , we can’t help you !“ ... solange gebettelt , bis sie mir eine – nur eine – Hammertablette aufschreiben ...

„Wenn der Nerv angegriffen ist , kannst du viel Painkiller nehmen , wie du willst. Das bringt nichts.“sagt meine innere Stimme. Und sie behielt recht. Auch das Hammer-Teil wirkt nicht die Bohne ... trinken , das einzige was hilft , ist trinken ... und ich bin so verdammig müde ... morgen früh zum Zahnartz ... wann wird der wohl öffnen ? um 9 ... noch 4,5 Stunden ... vielleicht auch schon um 8 ... Schmerzen ... trinken ... ich muß fast kotzen , wo dem vielen Wasser ... trinken ... Schmerzen ... Wasser ... Schmerzen ... 6.00 ... noch 2 Stunden ... vielleicht macht er auch schon 7 ... es muß doch irgendwen geben , der diesen Schmerz stoppen kann ... 6.30 ... . ich mache mich auf zum Dentist ... öffnet um 8 ... noch 1 Stunden ... trinken ... ich kotze gleich ... mein Magen rebelliert ... kein Wasser mehr , bitte ... .zu große Schmerzen ... trinken ... mir kommt es hoch ... .Schmerzen.. 7.30 – so müde – ich schleppe mich zum Zahnarzt ... .Offen ! Warten im Wartezimmer , keinen Termin ... Hoffnung , es ist gleich vorbei ... gleich vorbei ... Flasche mitgenommen..trinken..zur Toilettte ... Wasser nachgefüllt ... trinken ... Schmerzen.

Endlich die Behandlung fängt an , Spritze und der Schmerz hört auf ... Nerv totgelegt und medizinische Füllung gemacht. Mußte nicht mal was bezahlen , weil er gestern den falschen Zahn behandelt hat.

Dann zum Flughafen und endlich , endlich in den Flieger nach Helsinki ... Die Betäubung läßt langsam nach und ein wenig grummeln tut der Nachbarzahn mit der Blombe noch , aber der Schmerz ist überstanden. Da war es wirklich nur ein kleines Übel , daß auch der Rückflug Nicht-Raucher war. Diesmal hatte ich nur 1 Stunde Aufenthalt in Helsinki und ich war noch nie so glücklich , wieder festen , deutschen Boden unter den Füßen zu haben – denn ein Flugzeugabsturz hätte irgendwie genau zu diesem Tag gepaßt.

Meine Eltern haben mich vom Flughafen abgeholt und mich nach Hause gefahren. So platt war ich lange nicht mehr ... völlig groggy.



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