Skandinavien 2000

Ich fuhr zunächst mal nach Norden , raus aus Deutschland auf der Autobahn , um dann gegen Abend in Dänemark anzukommen . Ein kurzer Blick auf die Karte hatte ergeben , daß eine Sehenswürdigkeit in der Nähe der Autobahn lag . Selbst Einheimische hätte diesen Winkel vermutlich nicht gefunden . Es war ein Schloß , bei dem gerade ein Festival lief , was mich aber nicht interessiert . Dieses Haus lag am Meer und zum Meer hin war ein kleiner Park mit alten Bäumen , einem Teich mit Enten und Seerosen , und Bänken , von denen aus man das Meer beobachten konnte . Ich war kurz nach Einbruch der Dämmerung da und ganz alleine . Ein leichter Wind ging durch die Bäume und es nieselte leicht , als ich mich auf die Bank setze , um mir ganz genüßlich eine zu rauchen . Dunkle Wolken wurden von der untergehenden Sonne angestrahlt und es war eine Stille , die einfach gigantisch war . Ich wollte eigentlich nicht mehr weg da , so schön war es , aber nachdem die Klamotten von Nieselregen durchnäßt waren und empfindlich kalt durch den Wind auf der Haut wirkten , entschloß ich mich – nachdem ich ein paar Fotos geschossen hatte – weiterzufahren .


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Der Kampf um ein bezahlbares Hotelzimmer war nicht leicht zu gewinnen , aber ich tat es nach einigen Stunden und etlichen im Kreis gefahrenen Kilometer . Kurz vor der ersten Brücke in Nyborg fand ich mein Quartier , was trotz später Stunde abends noch mal verließ , um in einer Kneipe in der Stadt ein Guinness zu trinken , wobei ich mich ein wenig mit der hübschen Kellnerin unterhielt , die mal einen deutschen Freund hatte und deshalb ganz passabel meine Sprache beherrschte . In dem Nest gab es sogar eine Außenstelle M , so daß auch für das leibliche Wohl gesorgt war . Obwohl das Hotel die letzte Bruchbude war , hatte ich einen Ausblick direkt auf den kleinen , romantischen Hafen des Ortes . So muß Urlaub sein ..dachte ich .

Am nächsten Tag überquerte ich erst die eine Brücke , um nach Kobenhagen zu kommen , wo die Meerjungfrau suchte , was mit einen Privat-Pkw , ohne Dänisch-Kenntnisse und einem dänischen Stadtplan nicht ganz einfach ist .- aber ich wollte ein Foto davon – um dann der Großstadt zu entfliehen , und die zweite Brücke nach Schweden passierte .


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Da der Euro noch nicht als Bargeld eingeführt war , und selbst wenn er das gewesen wäre , die Schweden nicht mitmachen würden , braucht man um in dem Land zu überleben , schwedische Kronen . In normalen Ländern ist es so , daß an der Grenze eine Wechselstube ist . Nicht so in Schweden . Nicht mal am nächsten Rastplatz . Ich mußte also schon wieder eine Großstadt aufsuchen , um dort bei einer Bank Geld zu tauschen , um mir dann irgendwie ein Hotelzimmer zu besorgen . Während Dänen manchmal deutsch , aber mit Sicherheit englisch sprechen , tun die Schweden beides nicht – wenigstens die vom Rastplatz und dort gab es auch keine zweisprachigen Speisekarten . Also bestellte ich mir das einzige , was ich auf Schwedish verstand : Tortellini . Die waren kalt und die Kellnerin ziemlich unfreundlich . Und beschweren konnte ich mich auch nicht , weil sie mich ja nicht verstand . Ich saß das Zeug nicht , weil ich auch herausgefunden hatte , daß das vegetarische Tortellinis mit Spinatfüllung waren . Igitt ! Kurz vor Einbruch der Dunkelheit , den Magen bereits auf den Knieen habend , entdeckte ich ein Motel , wo die Übernachtung ohne Frühstück nur 200 DM gekostet hätte , wenn sie ein Einzelzimmer frei gehabt hätten . Ziemlich frustiert entdecke ich bei der Fahrt ein Schild – Bed and Breakfast . Das waren Privat-Leute , die gut deutsch sprachen und die Übernachtung kostet nur 45 Mark mit Frühstück , allerdings durfte man in dem Haus nicht rauchen . Der Tag hatte mich so geschlaucht , daß ich früh zu Bett ging ...bis mich das Telefon weckte . Es klingelte und klingelte , aber keiner ging dran . „ Komisch.“ ..dachte ich . „Aber wenn du schon mal wach bist , kannst du dir auch draußen eine rauchen .“ Draußen ankommen stand ich einem Mann aus Dänemark gegenüber , der mich auf Englisch zu quatsche , wer ich den sei und was ich hier mache . Mit noch halb geschlossenen Augen antwortete ich ihm auf Englisch . Ich sagte ihm , daß ich Gast sei und aus Deutschland komme . „Deutschland“ , meinte er , „dann trinkst du bestimmt ein Bier .“ Er ging zum Kofferraum seines Wagens und gab mir eine Dose Tuborg . So etwas passiert Ihnen in Deutschland garantiert nicht , daß Ihnen ein wildfremder Mensch eine Dose Bier anbietet . Das beeindruckte mich und so unterhielt ich mich mit dem Dänen und seiner Frau über Gott und Welt – alles auf Englisch und das erstaunliche , der Mann verstand mich .

Bevor ich allerdings schlafen gegangen war , das hatte ich vergessen zu verwähnen , hab ich die Hausbesitzerin gefragt , wo man was zu essen kriegt . Im Orte gäbe es eine gute Pizzeria und dort hab ich schon wieder ein typisch schwedisches Gericht gegessen , Kebab – den guten alten Gyrosteller vom Griechen um die Ecke . Das Wetter war übrigens genauso schlecht wie Hause .

Noch einen Tag und ein Frühstück später machte ich mich auf nach Oslo , eine ziemliche Strecke , die auf der Karte gar nicht so weit aussah . Unterwegs goß es in Strömen . Deswegen wirkte das alte , im schottischen Stil erbaute Gutsherrenhaus sehr authentisch . Es lag am Meer und stand unter Denkmalschutz . Es sah noch einen Tick besser aus als jenes in Dänemark , nur das Wetter war noch schlechter , schottisch eben . Kurz danach machte ich Mittag und aß noch eine schwedisch Spezialität : Sandwiches .


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&xnbsp;Und dann sah ich auf der Autobahn ein Schild mit dem Hinweis : Weltkulturerebe und das erstaunlichste daran , das stand da unter anderen auch in deutsch . Das mußte ich mir ansehen . Ich hatte aber auch nicht den Hauch einer Ahnung , was das war , was ich mir ansehen wollte , weil der Name schwedisch war . Es stellte sich heraus , daß es sich 5000 Jahre alte Felszeichnungen handelte , auf denen Schiffe zu sehen waren ...gut das Däniken da noch nicht war . Diese Zeichnung wurden in der Bedeutung mit dem Pyramiden gleichgesetzt , aber sie sind wesentlich wenig spektakulär. Das sollte für den Tag mit Kultur reichen , denn der Weg nach Oslo war noch weit ...und gebirgig , was aus der Karte auch nicht hervorging .


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Irgendwann hörte die Autobahn auf und wurde zur Landstraße und dort gab es dann gar nichts , außer Berge und sehr viel Regen und aus bewölkten Himmel (heiteren Himmel wäre gelogen) eine Zollstation . Man muß wissen , daß ich mir eine Schachtel Zigaretten in Schweden gekauft hatte , die 6 Mark kostete . An der Zollstation konnten deshalb die Einheimischen billige Zigaretten kaufen ...ich wunderte mich noch etwas , weil ich meinte , der Laden sei auf schwedischer Seite der Grenze gewesen ...dachte aber nicht groß darüber nach .

Am Abend – der Weg nach Oslo war doch noch zu weit – entschloß ich mich ein billiges Motel an der Autobahn zu nehmen . Nur 125 Mark die Nacht + 20 Mark Frühstück . Geschenkt . Und da es in Bergen nichts gab , gab es dort auch nichts zu essen , so daß ich mir einen Hamburger mit Fritten bestellt hatte . Nur 27DM ...spott billig .. wenn man bedenkt , daß das Pils , was ich mir getrunken habe , 10 Mark kostete . Eine kleine Flasche 0,33 Norwegen Pils oder wie das hieß ...

„ In Ägypten hast Du 15 Mark bezahlt , ist doch richtig billig hier .“erinnere ich mich.. Ich beließ es aber bei einem Pils und ging schlafen .

Am nächsten Tag in Norwegen – in Oslo – bin ich auf die Museumsinsel gefahren , weil ich mich verfahren hatte und die Innenstadt nicht gefunden habe . Dort hab ich einen treuen Freund getroffen – die Möve von Oslo . Ich saß nämlich am Meer vor einem Museum auf einer Bank , die direkt am Kai stand und direkt auf der Kaimauer saß die Möve . Ich hatte nichts zu essen oder so . Aber die Möve war so an Menschen gewöhnt , sie blieb direkt vor der Bank stehen und schaute nur noch in meine Richtung . Ich kramte in meinen Taschen und holte Zigaretten raus , klapperte dabei unabsichtlich mit meinem Schlüsselbund ...die Möve blieb sitzen ...und dann machte ich das Feuerzeug an ...die Möve blieb sitzen ...ich lehnte mich zurück und schlug die Beine übereinander ...die Möve blieb sitzen . Ich rauchte die Zigarette und stand auf ...Möve flog weg . Ein Päarchen setze sich auf die Bank , Möve kam nicht wieder . So hab ich jetzt einen norwegischen Freund ...die Möve von Oslo .


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Ich wollte mir nach Kobenhagen und Malmö nicht noch eine Großstadt antun und zog es vor , die Küste entlang zu fahren bis nach Drammen , von dort aus wollte ich quer durch Norwegen auf die Atlantikseite . Am Kai vor dem Museum war es noch ziemlich bewölkt , aber kaum hatte ich Oslo hinter mir gelassen , herrlicher Sonnenschein 30 Grad . Nur weiße Schäfchenwolken am Himmel und so setzte ich mich in Drammen mitten im Zentrum auf eine Bank und aß die norwegische Spezialität – Thunfisch-Sandwich – und ließ mich von der Sonne bescheinen . Vor mir auf der Wiese lag ein junger Mann mit freien Oberkörper , Walkman auf und war mitten in der Stadt am pennen . Passanten gingen vorbei , aber niemand schien das irgendwie zu stören . In Deutschland wäre binnen 5 Minuten Polizei da gewesen , die den Mann freundlich verhaftet hätten . Hier war alles anders . Und dann kam etwas , was absolut ungewöhnlich war . The Spiral . Eine Sehenswürdigkeit und ich hatte keine Ahnung , was das sein sollte , aber ich fuhr hin . Das Geheimnis lüftete sich schnell . Man hatte einen Tunnel in einen Berg gegraben ...tolle Sehenswürdigkeit ...aber nicht um von einer Seite auf die andere zu kommen , so was macht ja jeder , sondern um von unten nach oben zu kommen ...spiralförmig wie in einem Parkhaus , nur das es eben nur die Röhre gab , gegen den Uhrzeigersinn bergauf ...und man fährt , kriegt langsam eine Starre in den lenkenden Armen und fährt , kriegt dabei immer mehr einen Drehwurm und kommt irgendwann oben an und kann über den gesamten Fjord blicken , in dem Drammen liegt ...Schön ist kein Ausdruck dafür , er ist zu schwach . Und die Sonne schien . Und die Luft war herrlich frisch da oben und überhaupt ...wunderbar .


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Je mehr ich ins Landesinnere vorgestoßen bin , desto abenteuerlicher wurde die Wegführung der Straßen . Serpentinen , Steigungen wider jeder Vernunft usw und mein Auto wurde immer wärmer . Aber die Landschaft , ein Traum .. Das Blau des Himmels , das Grün der Bäume und ab und zu ein See mit kristallblauen Wasser ...eigentlich war hinter jeder zweiten Kurve ein See . Man muß da gewesen sein , um diese Schönheit der Natur nachempfinden zu können .

In per Anhalter durch die Galaxis heißt es ja auch nicht umsonst , daß der Designer der norwegischen Fjorde einen Preis gekriegt hat . Zurecht , wie ich zugeben muß und eines muß man glaub ich noch sagen , bevor man eine Massenauswanderung nach Norwegen auslöst . Leben im Paradies ist teuer .


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Zunächst brauchte ich eine Unterkunft für die Nacht , was außerhalb der Saison – es ist eine Wintersportregion mit erstaunlich hohen Bergen – nicht ganz einfach war . Nachdem man mir einem Touristennest 200 DM für eine Übernachtung abnehmen wollte , bin ich noch fast zwei Stunden gefahren , um dann trotzdem 200 DM zu bezahlen . Aber das Hotel war edel . Die Zimmer waren sogar mit deutschem Satellitenfernsehen ausgestattet . Es gab mehrere Salons und eine Bar und einen Garten , der den Blick auf einen See bot . Das Pils , was ich mir gönnte kostet 10,50 , aber das kannte ich ja schon . Billig ist das Land halt nicht . Aber so ein Pils schmeckt erst richtig , wenn man sich eine Zigarette dazu raucht , doch meine waren alle – die teueren schwedischen für 6 Mark die Schachtel . So ging ich zur Rezeption und kaufte Prinz Danmark Zigaretten . Während sich die hübsche Bedienung umdreht , die Zigaretten waren eingeschlossen in einem Glasschrank , sagte sie : „ They are very expansive .“ Weis ich doch , ich hab in Schweden schon 6 Mark bezahlt und sagte : „ It’s o.k. One Package Prince Danmark .“ „ O.k. 80 Kronen.“ Ich überlegte , ratterte in meinem Kopf , 80 Kronen , du must dich verhört haben , daß wären ja über 20 Mark .

Ich hatte mich nicht verhört und da wußte er auch , warum der Zigarettenladen auf der schwedischen Seite war .

Aber ich konnte ja nun nicht mehr zurück . Und dann spielte ich die norwegische Ausgabe von Graf Rotz . Ich setzte mich in den Garten an einen Tisch , bestellte mir ein Pils und rauchte dazu . Zuhause ist Bier mit Kippe wohl ein Zeichnen für niedrige soziale Schicht , ist Norwegen kann man so richtig protzen ... 20 Mark , dafür kriegt man in Polen eine ganze Stange .


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Am nächsten Tag trat ich die Rückreise an.



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